Eigentlich könnte man an einem solch nahe liegenden Programm nichts auszusetzen haben. Und in der Tat überzeugen die Einspielungen zunächst einmal in technischer Hinsicht: Renaud Capuçon gibt dem Konzert-Allegro Form und Gestalt. Bei seinen weiteren Dirigaten scheint er das Orchestre de Chambre de Lausanne auf einen guten Weg zu führen: Ein wenig Leichtigkeit und Lyrik schwingen mit, auch wenn mir hie und da die Tempi nicht passen – sie scheinen einer Mode der Zeit folgend irgendwie zu schnell, wo der musikalische Satz doch gleichmäßig atmen sollte. Am Ende wird alles gut, aber es passt nicht zu den Hörgewohnheiten. Man braucht nur (ohne das Label zu wechseln) knapp 40 Jahre zurückzugehen und eine CD mit Seiji Ozawa und dem Boston Symphony Orchestra in die Hand zu nehmen, um eine Ahnung davon zu bekommen. Damals charakterisierten geheimnisvolle Lichteinfälle auf dem Cover die Musik – heute ist es ein Künstlerporträt mit Geige. Auch solche Bilder sprechen, wenn man sie sehend hört.
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.