Glücklicherweise, möchte ich sagen. Denn die Musik unterhält nicht nur bestens auf schönem Niveau, sondern gewährt auch einen Einblick in die spanische Musikproduktion des ausgehenden 18. Jahrhunderts, die mehr zu bieten hat als nur «Boccherini» – auch wenn seine Werke hier wie eine Blaupause durchscheinen. Castel selbst war ein vielseitiger Meister, komponierte in Madrid für die Bühne, nach seiner Anstellung als Kapellmeister an der Stiftskirche von Tudela aber auch Kirchenmusik. Seine Kammermusik bildet eine Ausnahme. Um einen umfassenden Eindruck zu gewinnen, wären daher auch die anderen Gattungen zu prüfen. Jedenfalls pflegte Castel kammermusikalisch einen italienisch-spanischen Tonfall, der auch von dem in diesem Fall sehr klein besetzen Ensemble 1700 in adäquater Weise in historischer Aufführungspraxis und auf Darmseiten realisiert wird. Eine gefällige, unspektakuläre Aufnahme, die den Blick wirklich weitet.
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.