
Prall gefüllt mit 78 und 66 Minuten Spielzeit präsentiert dieses Portrait vor allem Werke aus den Genres «kleineren Formats», aber genau aus diesem Grund oft unberücksichtigt bleiben. Den Kern bilden Lieder und Chorlieder (mit Klavier) sowie Klavierstücke, hinzu kommt noch ein dreisätziges Streichquartett (Nr. 4, 1962), das die von Ravel eingeführte Ausdruckssphäre aufgreift und weiterführt. Die Musik von Lucie Vellère (die ihren Geburtsnamen Weiler nach dem Ersten Weltkrieg frankophonisierte) besticht durch ihre sehr eigene, absolut souveräne Kraft und Tiefe, die Interpretation der hier vertretenen Solist:innen und Ensembles durch das genaue Aushören der Harmonien und Melodien. Für mich ist dies eine riesige Entdeckung, insbesondere die Gesänge mit Frauenchor und das Streichquartett. Wunderbar, dass solche Streifzüge am Rand des Repertoires noch immer möglich sind. Aber dafür steht das Label Musique en Wallonie seit Jahren. (Pluspunkt: Essay und Gesangstexte werden im Booklet durchgehend auch in deutscher Übersetzung abgedruckt.)
Lucie Vellère. La musique vient quand elle veut…
Trois balladens; Faune; Vous m’avez dit, tel soir; Ô blanche fleur des airs; Égarement; Toi et moi; Trois petits poèmes; Vieille chanson du Xe siècle; Berceuse; Quatrième quatuor à cordes; Air de Syrinx; Petites histoires; Chansons enfantines; Trois tanagra; Promenade au bord du lac; Préludes pour la jeunesse; Feuillets épars
Coline Dutilleul (Mezzosopran), Justine Eckhaut (Klavier), Thérèse Malengreau (Klavier), Philippe Riga (Klavier), Sonoro Quartet, Viride Kwartet, Chœur de chambre de Namur, Thibaut Lenaerts
Musique en Wallonie MEW 2513 (2024, 2025)








