Benyamin Nuss – Personal StoriesIrgendwie steht der Titel des Albums in krassem Widerspruch zur Musik. Denn so «personal» wie es auf dem Cover heißt, ist diese Musik nicht. Sie ist vielmehr und vor allem reichlich pauschal, erinnert an den musikalischen Rahmen in einer gepflegten Bar: pauschal, ohne Charakter, konsumationsbedürftig und – leider am Ende auch langweilig. Was bei einem Aperol noch geht (weil man es überhört), wird auf einem Album zur Qual.
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Nun stellt sich die neugierige (!!) Frage, welche «personal stories» Benjamin Nuss hier erzählt. Ein Blick auf die Titel verweist dann auch gleich wieder in die Unverbindlichkeit: «Three Views of a Smile», «Friday Improvisation», «Hoffnung». Themen, die sich treiben lassen, ohne ein Ziel zu haben. Ich lobe mit da doch Beethovens Bagatellen, die in wenigen Takten kondensieren, was auch ausführlicher gesagt werden könnte. – Auch die Studioakustik des Albums tut nicht weh. Statt dieser «Neuen Meister» greife ich dann doch lieber zu den «Alten Meistern», Made by Musikgeschichte.
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Benyamin Nuss. Personal Stories
Three Views of a Smile; Bean Cat; Miniatures 2021 Nr. 1–3;
Memories of Salzburg; Mei-Chan; Matsuyama; Miniature 2014; Anata Ni Ayamaranai to Ikenai Koto Ga Aru; Epilog; Friday Improvisation No. 2; Hoffnung; Petite Poème; Friday Improvisation Akita; Anata no Mamam de Daijoubu; Northbridge Waltz
Benyamin Nuss (Klavier) Neue Meister 030 3866 NM (2023)
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.