Alice Sara Ott – John FieldWas bitte ist beim OPUS KLASSIK die Kategorie «Audiovisuelle Musikproduktion des Jahres»? Jedenfalls wurde eine der Special Editions dieses faszinierenden Albums in dieser Kategorie ausgezeichnet. Ist aber vollkommen unwichtig – denn bei John Field (1782–1837) sollte es nun wirklich um die Musik gehen. Da möchte man dem einstigen Traditionslabel Deutsche Grammophon ein herzliches «Guten Morgen» wünschen, dass man nach Dutzenden Einspielungen von Chopin-Piècen dann doch einmal im Jahre 2025 der Weg zu Field geführt hat. Dass Alice Sara Ott diese Produktion spielen darf, ist freilich ein Glücksfall.
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Natürlich würde ich die feinen Field’schen Nocturnes lieber auf einem alten Érard-Flügel hören. Aber auch bei dieser Produktion kommt die Poesie nicht zu kurz, weil es nunmal Alice Sara Ott versteht es, der Musik nichts aufzuzwingen. So kann sich dieser Prä-Chopin, der wohl vom Publikum mit den «langen Ohren» noch gar nicht wahrgenommen wurde, endlich auch einmal entdecken lassen. Aus Irland stammend und später zwischen Moskau und St. Petersburg pendelnd, gleicht Field einem «Missing-Link», ohne dass man ihn darauf reduzieren müsste. Jetzt fehlen nur noch seine Klavierkonzerte in einer passablen Neueinspielung. Aber selbst die gute Fee ist da wohl machtlos.
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John Field. Complete Nocturnes
Alice Sara Ott (Klavier) Deutsche Grammophon 486 6238 (2024)
Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.