
Aber auch die Musik hat es in sich. Stilistisch würde ich sei in die 1760er und 1770er Jahre verorten (keinesfalls früher), zugleich ist sie mit ihren geregelten Wiederholungen aber doch sehr periodisch angelegt. Die fast schon thematisch eingesetzte Chromatik im Quartetto VI verblüfft ebenso wie ihre zyklische Wiederaufnahme im dritten Satz, aber auch die Behandlung des Ensembles insgesamt: ein Cembalo, das führt, aber nicht konzertiert und im permanenten Wechsel mit den Streichern (zwei Violinen und Bass) steht. Die Musik ist originell und spritzig und wird von Korneel Bernolet und dem Ensemble Apotheosis ebenso präsentiert. Das Booklet informiert über alle Unsicherheiten und klärt darüber auf, dass manch aufführungspraktische Entscheidung frei getroffen wurde (im Manuskript scheint es auch problematische Lesarten zu geben). Doch wenn so viele Fragezeichen bestehen: Gab es neben allen stilistischen Überlegungen aucheine fundierte Untersuchung des Papiers und der Tinte? Schon manch andere Fälschung scheiterte schließlich an wirklich kriminologischen Untersuchungen. Anderes wirkt irgendwie passend nach «Miss Marple» (so der Lautenzug in der Pastorale des Quartetto VI). Und dennoch: Das bereits 2017 erschienene und noch immer lieferbare Album sorgt für beste Unterhaltung – auch (und vielleicht gerade) als noch immer ungelöstes musikgeschichtliches Rätsel.
Lorenzo Weckbacher. Quartetti per il Cembalo pincipale
Korneel Bernolet (Cembalo), Apotheosis
Et’cetera KTC 1581 (2016)








