28. Januar 2026 nmz – HörBar – unabhängig / unbestechlich / phonokritisch

Janitsch – Freitagsakademie

Janitsch – Freitagsakademie
Janitsch – Freitagsakademie
Noch vor einiger Zeit war es schwierig, überhaupt eine Einspielung mit Musik von Johann Gottlieb Janitsch (1708–1763) zu finden. Inzwischen liegen gleich mehrere Alben mit herausragender Kammermusik aus seiner Feder vor – Kompositionen, die beim ersten Höreindruck noch mehr der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts verpflichtet scheinen, die aber hinter ihrer vielfach kontrapunktisch inspirierten Faktur viel galanten Ausdruck verbergen. Ein doppeltes Vergnügen, das auch noch Johann Friedrich Reichardt im Jahre 1775 begeisterte: «Keiner beut unserem Verstande so viel Unterhaltung, so viel Nahrung.»

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Zunächst in Rheinsberg, später auch in Berlin war es Janitsch als Mitglied der Kapelle des Kronprinzen und späteren Königs Friedrich II. gestattet, privat Konzerte mit Mitgliedern der Hofkapelle zu veranstalten – gespielt wurde im Gegensatz zu Paris und London allerdings zunächst nur Kammermusik. In Berlin lud Janitsch dazu immer freitags zu einer «Akademie» in eine Wohnung ein. Es sind die Anfänge einer Aufführungskultur, die auch dazu ermunterte, selbst musikalische Gesellschaften und Vereine zu gründen. An diese musikalischen Zusammenkünfte erinnert auch der Name des Berner Ensembles Die Freitagsakademie, das mit seiner Besetzung geradezu ideal die farbig instrumentierten Sonaten und Quadros aus der Mitte des 18. Jahrhunderts ideal realisiert, wie etwa Flöte, Oboe, Violine und Basso continuo, Flöte, Violine, Viola und Basso continuo oder auch Oboe d’amore, zwei Violen und Basso continuo. Das fein gesponnene Geflecht der Stimmen wird dabei mit berückender Klarheit ausgeleuchtet, wie auch die ausdrückenden Charaktere dieser den Übergang ahnenden Musik. Ein Album von exzellenter musikalischer Qualität.

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Johann Gottlieb Janitsch. Sonate da camera D-Dur «Echo»; Sonata da camera c-Moll op. 1/1; Sonate G-Dur op. 1/2; Sonata da camera e-Moll; Quadro g-Moll «O Haupt voll Blut und Wunden»
Die Freitagsakademie

Prospero PROSP 0069 (2022)

HörBar #177 – Übergänge

Mysliveček – Keyboard Works

Autor

  • Michael Kube

    Dr. Michael Kube, geb. 1968 in Kiel, studierte Musikwissenschaft, Kunstgeschichte sowie Europäische Ethnologie/Volkskunde. Promotion mit einer Arbeit über Hindemiths frühe Streichquartette (1996), Habilitation mit Studien zu einer Kulturgeschichte des Klaviertrios (2016). Seit 1998 ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Neuen Schubert-Ausgabe (Tübingen), seit 2002 zudem Mitglied der Editionleitung. Er ist seit 2007 Kuratoriumsmitglied (und seit 2013 Vorsitzender) der Stiftung Kulturfonds der VG Musikedition.

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