Man sollte daher jede Produktion mit Werken von Sekles mit Freude erwarten – die hier vorliegende mit den Liedern aus dem Schi-King op. 15 und zwei Sammlungen von Klavierstücken (op. 34 und op. 42) entstand im Umkreis der Aktivitäten zum 150. Geburtstag im Jahre 2022. Zwar handelt es sich um eine Doppel-CD, doch die Gesamtspielzeit macht deutlich, dass man ursprünglich anders disponiert hatte: Liederzyklus und Klavierstücke ergeben ziemlich genau 84 Minuten – etwas zu lang für nur eine Scheibe… Die Lieder (dem Text liegt eine Übertragung von Friedrich Rückert zugrunde) stammen aus dem Jahr 1907, die hochinteressanten Fantasietten op. 42 gehören hingegen zu Sekles letzten Werken; er wurde bereits 1933 wegen seines jüdischen Glaubens entlassen und starb, gesundheitlich schwer angeschlagen; Ende des darauffolgenden Jahres. Vor allem die Lieder fordern in der Gesangspartie («hohe Stimme») der Sängerin einiges ab. Und so muss man sich auch bei Tehila Nini Goldstein und ihrem Sopran ein wenig einhören, um der Textverständlichkeit näher zu kommen. Trotz der engagierten Interpretation hätte ich mir gerade in dieser Gattung weniger Vibrato und eine natürlichere Konsonantenbildung gewünscht. Auch Jascha Nemtsov am Klavier scheint davon als Begleiter beeinflusst, denn die Solo-Klavierstücke atmen deutlich mehr Freiheit in der Gestaltung. Das Booklet bietet einen interessanten Essay und alle Gesangstexte.
Bernhard Sekles. 18 Lieder aus dem Schi-King op. 15; Fantasietten (23 kleine Stücke) op. 42; Suite Nr. 1 op. 34 für Klavier
Tehila Nini Goldstein (Sopran), Jascha Nemtsov (Klavier)
hänssler classic HC 22008 (2021)