
Genauso wichtig (oder noch wichtiger) ist das Konzept des Albums mit frühen Werken von gleich vier Komponisten, die alle im selben Jahr geboren wurden – früh verstarben oder wenigstens ein mittleres Alter erreichten: Frédéric Chopin (1810–1849), Norbert Burgmüller (1810–1836), Ludwig Schuncke (1810–1834), Robert Schumann (1810–1856). Es ist dabei erstaunlich, wie Schumann als kritischer Chronist seiner Gegenwart Schunke und Burgmüller gewürdigt hat und auch Chopins Genie schon früh erkannte: «Hut ab – ihr Herren – ein Genie.» Die eingespielten Werke entstanden alle zwischen 1825 und 1834 in einer Zeit des Rückzugs in den privaten Salon, da es damals um Europa, die staatliche Integrität Polens und die aufblühende Demokratie nicht gut stand. Fraglich, ob sich das in der aufkeimenden Virtuosität als Gegenbild spiegelt. Aber irgendwie lässt einen der Gedanke nicht los, dass die Werke einen Widerpart bilden und eben mehr sind als nur Variationen, Capricen und Toccaten. Jedenfalls inspirieren die musikalischen Interpretationen von Ulrich Roman Murtfeld zu solchen Gedankengängen.
Early Piano Works
Frédéric Chopin. Variationen über «Là ci darem la mano» op. 2; Rondo c-Moll op. 1; Norbert Burgmüller. Rhapsodie h-Moll op. 13; Polonaise F-Dur op. 16; Mazurka Es-Dur; Ludwig Schuncke. Scherzo capriccioso op. 1; Premier Caprice C-Dur op. 9; Das Heimweh; Robert Schumann. Abegg-Variationen op. 1; Toccata C-Dur op. 7
Ulrich Roman Murtfeld (Klavier)
audite 97.811 (2022)
